Die dokumentierten Ausgaben sind nochfolgenden Kontexten zugeordnet*

1919

• 2. 9.
Der französische Ministerpräsident Clemenceau fordert im Namen der Entente-Staaten das Deutsche Reich auf, den Artikel 61, Absatz 2, der Reichsverfassung zu streichen. Dieser beinhaltet die Zulassung Deutsch-Österreichs zum Reichsrat und die Gleichstellung Deutsch-Österreichs mit den deutschen Ländern.
• 3. 9.
Italien führt das Frauenwahlrecht ein.
• 10. 9.
Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen Deutsch-Österreich und den Entente-Staaten in Saint-Germain bei Paris. Österreich muss Südtirol bis zum Brenner, das Küstenland mit Görz und Triest, Istrien und Gebiete von Dalmatien an Italien abtreten. Dem Land wird ein Berufsheer mit 30.000 Mann zugestanden. Für die Lufthoheit und die Hoheit über die Wasserstrassen werden Auflagen wie im Versailler Vertrag erteilt. Gleiches gilt für Reparationszahlungen. Österreich wird ein Anschluss an das Deutsche Reich untersagt.
• 12. 9.
Adolf Hitler besucht eine Versammlung der antisemitischen DAP und hört einen Vortrag von Gottfried Feder. Wenige Tage später tritt Hitler der DAP mit der Mitgliedsnummer 555 bei.
• Der italienische Dichter und Politiker Gabriele D’Annunzio (1863-1938) besetzt mit einem Freikorps die zwischen Italien und Kroatien umstrittene Stadt Fiume (heute: Rijeka). Die Entente-Staaten zeigten sich unschlüssig, ob sie die Stadt dem neugegründeten Staat „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“ zusprechen sollen.
• 18. 9.
Die Reichsregierung beschließt, den Absatz 2 des Artikels 61 der Reichsverfassung zu streichen.
• 26. 9.
Wiederaufnahme der deutsch-polnischen Verhandlungen über die Übergabe deutscher Gebiete an Polen.
• 30. 9.
Die Nationalversammlung tritt zu ihrer ersten Sitzung in Berlin zusammen, nachdem „Ruhe und Ordnung“ in der Reichshauptstadt wiederhergestellt sind.
• In Berlin wird das Theater „Die Tribüne“ des Regisseurs Erwin Piscator mit dem Drama „Die Wandlung“ von Ernst Toller eröffnet.

• 1. 10.
Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags werden die Kriegsministerien der deutschen Länder aufgelöst. Sie werden im Reichskriegsministerium unter Reichswehrminister Noske zu einer Befehlsstelle zusammengefasst.
• 2. 10.
Ratifikation des Versailler Vertrags durch die französische Abgeordnetenkammer. In Italien und Großbritannien wird das Vertragswerk ebenfalls im Oktober ratifiziert.
• 3. 10.
Die Reichsregierung fordert gemäß den Bedingungen des Versailler Vertrags die noch im Baltikum stehenden deutschen Einheiten auf, das Gebiet zu räumen. Die Freiwilligenverbände kämpfen hier seit November 1918 gegen sowjetrussische Truppen. Sie folgen der Aufforderung der Reichsregierung nicht.
• 8. 10.
Ein Arbeiter gibt mehrere Schüsse auf den USPD-Vorsitzenden Hugo Haase ab. Haase stirbt am 7. November an den Folgen des Attentats.
• 10. 10.
Der Oberste Rat der Alliierten verhängt eine Wirtschaftsblockade über Sowjetrussland.
• Gegen den Befehl der Reichsregierung kämpfen deutsche Truppen im Baltikum als „Vorhut gegen den Bolschewismus“ weiter und greifen Riga an. Die alliierten Staaten sperren daraufhin die Ostsee für alle deutschen Schiffe.
• Uraufführung der Oper „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss in Wien.

• 14. 10.
Die preußische Landesversammlung verabschiedet einen Gesetzentwurf zur Errichtung der Provinz Oberschlesien.
• 16. 10.
Die österreichische Nationalversammlung in Wien ratifiziert den Vertrag von Saint Germain.
• 21. 10.
Umbenennung von Deutsch-Österreich in Republik Österreich. Die Rote Armee unter Leo D. Trotzki zerschlägt die Truppen der weißen Gegenregierung bei Petrograd (heute: St. Petersburg). Ohne Aussicht, den „Weißen“ zu helfen, zieht sich die britische Kriegsflotte in der Ostsee daraufhin nach Riga zurück.
• 24. 10.
Unterzeichnung des deutsch-polnischen Abkommens über die militärische Räumung der an Polen abzutretenden Gebiete.
• 29. 10.
Der US-Kongress verabschiedet gegen das Veto des Präsidenten das Antialkoholgesetz, die „Prohibition“ beginnt.
• 30. 10.
Die Reichsregierung erklärt alle deutschen Soldaten im Baltikum, die nicht bis zum 11. November die deutsche Grenze passieren, als „fahnenflüchtig“.

• 3. 11.
Die alliierten Staaten fordern Deutschland auf, den noch nicht erfüllten Waffenstillstandsbedingungen nachzukommen. Dazu gehört u.a. die Ablieferung der gesamten deutschen Handelsflotte.
• 7. 11.
Auflösung des Reichskolonialministeriums.
• 13. 11.
Nach Aufforderung der Alliierten räumen die rumänischen Truppen die ungarische Hauptstadt Budapest.
• Der Physiker Max Planck und der Chemiker Fritz Haber erhalten für ihre Forschungen den Nobelpreis.
• 16. 11.
Bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer in Frankreich siegt der konservative „Nationale Block“. Die Linksparteien müssen Stimmenverluste hinnehmen.
• 18. 11.
Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff nehmen vor dem Untersuchungsausschuss des Reichstags über die Friedensmöglichkeiten im Ersten Weltkrieg Stellung. Hindenburgs Aussage, die deutsche Armee sei nicht besiegt, sondern von hinten „erdolcht“ worden, begründet die Dolchstoßlegende.
• Der US-Senat lehnt mit 53 zu 38 Stimmen die Ratifizierung des Versailler Vertrags ab und tritt auch nicht dem Völkerbund bei. Die Vereinigten Staaten kehren zur Politik der „splendid isolation“ zurück und konzentrieren sich auf ihre primären Interessen.
• 25. 11.
Das Deutsche Reich und Polen schließen ein Abkommen über den Abzug von Truppen aus den Teilen Westpreußens, in denen eine Volksabstimmung stattfinden soll.
• 27. 11.
Der Friedensvertrag zwischen den Alliierten und Bulgarien wird in Neuilly-sur-Seine bei Paris unterzeichnet.
• 28. 11
Das Große Schauspielhaus in Berlin mit 5.000 Plätzen wird feierlich eröffnet. Der Regisseur Max Reinhardt erhält damit das von ihm mehrfach geforderte Großtheater.
• 30. 11. – 6. 12.
Parteitag der USPD in Leipzig. Es wird ein Aktionsprogramm verabschiedet, das eine politische Kooperation mit der SPD ausschließt. Die USPD hält an einer auf dem Rätesystem basierenden sozialistischen Demokratie fest.

• 3. 12.
Tod des französischen Malers und Bildhauers Auguste Renoir (1841-1919) in Cagnes-sur-Mer.
• 6. 12.
Die Krupp-Werke liefern die erste selbst gefertigte Lokomotive aus. Der führende deutsche Rüstungsbetrieb steht im Prozess der Umstellung von Kriegs- auf Friedenswirtschaft.
• 8. 12.
Der Oberste Rat der Alliierten legt die neue Ostgrenze Polens fest. Die später nach dem britischen Außenminister George Curzon (1859-1925) benannte „Curzon-Linie“ verläuft entlang der Flüsse Bug und Njemen. Polen erhebt Anspruch auf weiter östlich gelegene Gebiete.
• 16. 12.
Die russische Rote Armee erobert die ukrainische Hauptstadt Kiew.
• 17. 12.
Die Deutsche Nationalversammlung in Berlin verabschiedet das Reichsnotopfergesetz, das eine einmalige Vermögensabgabe zur Begleichung der Reichsschulden vorsieht.
• 19. 12.
Der ehemalige Reichskanzler Scheidemann wird zum Oberbürgermeister von Kassel gewählt.
• 21. 12.
Die niederländische Regierung erklärt, dass sie Ex-Kaiser Wilhelm II. nicht an die Alliierten ausliefern werde.
• 28. 12.
Auf den internationalen Devisenmärkten fällt die Mark auf ihren tiefsten Stand seit Jahresbeginn.

1920

• 3. 1.
Im Ruhrgebiet und in Schlesien beginnen Streiks von Eisenbahnern für Teuerungszuschläge von 100 bis 175 Prozent. Bergarbeiter fordern die Einführung der Sechs-Stunden-Schicht. Nach Verhängung des Ausnahmezustands endet der Streik am 14. Januar mit geringen Zugeständnissen der Arbeitnehmer.
• 5. 1.
Der amerikanische Nationalheld George Herman („Babe“) Ruth (1895-1948) wechselt für die bis dahin höchste Ablösesumme im Baseball von 125.000 Dollar von den Boston Red Sox zu den New York Yankees.
• 6. 1.
Tod des österreichischen Politikers Heinrich Lammasch in Salzburg.
• 10. 1.
Der Friedensvertrag von Versailles tritt in Kraft. Durch Gebietsabtretung wird u.a. der sogenannte Polnische Korridor geschaffen, der Polen den Zugang zur See eröffnet. Danzig und das Memelland werden vom Deutschen Reich abgetrennt und unter den Schutz des Völkerbunds gestellt. Im besetzten Rheinland übt die Interalliierte Hohe Kommission die Hoheitsbefugnisse aus, das Saarland wird dem Völkerbund unterstellt.
• Beginn der Repatriierung der Kriegsgefangenen sowie heimkehrender Deutscher aus den ehemaligen Kolonien.
• 13. 1.
Massendemonstration der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) sowie der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gegen die geplante Verabschiedung des Betriebsrätegesetzes vor dem Reichstag. Die preußische Sicherheitspolizei schießt in die Menge, 42 Menschen kommen ums Leben.
• 16. 1.
Konstituierende Sitzung des Völkerbundrats in Paris.
• In den USA tritt die „Prohibition“ als 18. Verfassungszusatz in Kraft: Herstellung, Konsum und Vertrieb alkoholischer Getränke sind verboten.
• Anton Graf von Arco auf Valley (1897-1945), der Mörder des bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, wird zum Tode verurteilt. Während des Prozesses demonstrieren antisemitische Studenten an der Münchner Universität für eine Begnadigung Arcos. Sie bezeichnen Eisner als Symbolfigur des „jüdischen Bolschewismus“. Die bayerische Regierung begnadigt Arco einen Tag später zu lebenslanger Freiheitsstrafe.
• 17. 1.
In Frankreich wählt die Nationalversammlung den nationalistischen Politiker Paul Deschanel(1856-1922) zum Nachfolger von Staatspräsident Raymond Poincaré. Der amtierende Ministerpräsident Georges Clemenceau, der gegen Deschanel angetreten war, erklärt seinen Rücktritt. Neuer Ministerpräsident wird der nationalistische Politiker Alexandre Millerand (1859-1943).
• 18. 1.
Die deutsche Nationalversammlung verabschiedet das Betriebsrätegesetz. Es beschränkt die Tätigkeit der Betriebsräte auf soziale Funktionen und sieht keine betriebswirtschaftliche Mitbestimmung vor.
• 19. 1.
Beginn des Prozesses gegen den deutschnationalen Politiker Karl Helfferich. Dieser hatte im Sommer 1919 den Vizekanzler und Reichsfinanzminister Matthias Erzberger (Zentrum) der Verquickung von politischer Tätigkeit und eigenen finanziellen Interessen beschuldigt. Erzberger stellte daraufhin Strafantrag wegen Beleidigung.
• 22. 1.
Unter Berufung auf ihre Neutralitätspolitik verweigert die niederländische Regierung die von den Alliierten geforderte Auslieferung des Ex-Kaisers Wilhelm II.
• 24. 1.
Die internationale Reparationskommission nimmt gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags ihre Arbeit auf. Sie soll bis Mai 1921 die Höhe der vom Deutschen Reich zu zahlenden Reparationen feststellen. Vorerst war von Leistungen im Wert von 20 Milliarden Goldmark ausgegangen worden.
• 25. 1.
Tod des italienischen Malers Amedeo Modigliani (1884-1920) in Paris.
• 26. 1.
Vizekanzler und Reichsfinanzminister Matthias Erzberger wird bei einem Attentat durch einen Schuss verletzt. Der Täter, Oltwig von Hischfeld, nennt „nationalistische Interessen“ als Motiv. Erzberger gilt bei der Rechten als „Vaterlandsverräter“.

• 2. 2.
Die sowjetische Regierung erkennt die Unabhängigkeit von Estland an.
• 3. 2.
Gemäß dem Versailler Vertrag fordern die Alliierten die Auslieferung von 895 deutschen Politikern und Militärs, unter ihnen Theobald von Bethmann Hollweg, Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff.
• 5. 2.
Die Reichsregierung lehnt die Auslieferung ab. Sie bietet die Einleitung eigener Ermittlungsverfahren an. Nach erfolgter Zustimmung werden am 24. März in Leipzig zwölf wenig prominente Angeklagte vor Gericht gestellt.
• 8. 2.
Tod des Schriftstellers Richard Dehmel in Blankenese bei Hamburg.
• 10. 2.
Im ersten vom Versailler Vertrag festgelegten Plebiszit votieren in der ersten Abstimmungszone von Nordschleswig 74,2 Prozent der Bevölkerung für den Anschluss an Dänemark. Die Einwohner der zweiten Zone stimmen am 14. März für den Verbleib bei Deutschland.
• 12. 2.
Der Oberste Rat der Alliierten verlängert die Fristen für die im Versailler Vertrag festgelegte Heeresverkleinerung des Deutschen Reiches auf 200.000 Mann bis zum 10. April und auf 100.000 Mann bis zum 10. Juli 1920.
• 20. 2.
Tod des amerikanischen Polarforschers Robert Edwin Peary (1856-1920) in Washington.
• 21. 2.
Für den Anschlag auf Reichsfinanzminister Erzberger wird Hirschfeld zu einer 18monatigen Freiheitsstrafe verurteilt.
• 23. 2.
Der frühere französische Staatspräsident Poincaré übernimmt den Vorsitz der alliierten Reparationskommission. Poincaré vertritt eine unnachgiebige Haltung gegenüber Deutschland.
• 24. 2.
Adolf Hitler, Propagandaleiter der Deutschen Arbeiterpartei (DAP), verkündet auf einer Veranstaltung in München das Parteiprogramm der DAP, die sich wenig später in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenennt. Vor 2.000 Zuhörern erläutert er das 25 Punkte zählende Programm, das u.a. die Aufhebung des Versailler Vertrags und die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft für Juden fordert.
• 26. 2.
Aufgrund der schwierigen Versorgungslage in Italien wird die Zuteilung von Brot, Öl und Fleisch rationiert, Zuckerbäckerei wird ganz verboten.
• 27. 2.
Uraufführung des Films „Das Cabinet des Dr. Caligari“ von Robert Wiene (1873-1938).
• 29. 2.
Auf Drängen der Alliierten ordnet Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) die Auflösung der Freikorps Ehrhardt und Löwenfeld an. Der als „Vater der Freikorps“ bekannte General Walther Freiherr von Lüttwitz, dem seit Frühjahr 1919 alle Truppen östlich der Elbe sowie die Verbände in Sachsen, Thüringen und Hannover unterstehen, widersetzt sich der Anordnung Noskes.

• 1. 3.
Miklós Horthy (1868-1957) wird zum Reichsverweser in Ungarn ernannt. Er bezeichnet die ungarische Staatsform als „Monarchie mit vakantem Thron“.
• 4. 3.
Umbenennung der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).
• 9. 3.
Uraufführung des Films „Kohlhiesels Töchter“ von Ernst Lubitsch in Berlin.
• 10. 3.
General Lüttwitz fordert ultimativ den Verzicht auf weitere Truppenentlassungen und zugleich den Rücktritt des Reichspräsidenten Friedrich Ebert.
• 11. 3.
Reichswehrminister Noske verfügt die Beurlaubung von General Lüttwitz.
• 12. 3.
Urteil im „Erzberger-Helfferich-Prozess“: Helfferich wird zu einer niedrigen Geldstrafe verurteilt. Die Aussagen und Vorwürfe im Prozessverlauf diskreditieren Erzberger so sehr, dass er kurz darauf von seinen Regierungsämtern zurücktritt.
• 13. 3.
Unter der Führung von Lüttwitz besetzt die Marinebrigade Ehrhardt das Berliner Regierungsviertel. Sein Staatsstreich wird als Lüttwitz-Kapp-Putsch bekannt.
• Mit Ausnahme von General Walther Reinhardt (1872-1930), Chef der Heeresleitung, lehnt die Reichswehrführung unter der Leitung von Hans von Seeckt jede militärische Maßnahme gegen die Putschisten ab.
• Mit Unterstützung von General Lüttwitz erklärt sich der Jurist und Politiker Wolfgang Kapp zum neuen Reichskanzler. Reichspräsident Ebert und die sozialdemokratischen Minister der Reichsregierung proklamieren den Generalstreik. Die USPD, die KPD, die DDP und die Gewerkschaften fordern später jeweils gesondert zum Generalstreik gegen die Putschisten auf. Die Ministerialbürokratie versperrt sich den Putschisten.
• Ein Teil der verfassungsmäßigen Reichsregierung weicht nach Dresden, später nach Stuttgart aus.
• In Bayern gelingt der Umsturz: Nach einem Ultimatum der Militärs tritt die SPD-Regierung zurück. Gustav Ritter von Kahr bildet eine neue rechtsgerichtete Regierung.
• 14. 3.
Im südlichen Teil des Abstimmungsgebiets in Nordschleswig votieren 81 Prozent der Bevölkerung für den Verbleib im Deutschen Reich. Die neue deutsch-dänische Grenze wird am 26. Mai festgelegt.
• 15. 3.
Im Ruhrgebiet bilden links eingestellte Arbeiter die sogenannte Rote Ruhrarmee, um in einem Aufstand gegen die putschenden Freikorps und sympathisierende Teile der Reichswehr zu kämpfen. In zahlreichen Städten bilden vor allem USPD und KPD sogenannte Vollzugsräte.
• 16. 3.
Zwölf Millionen Arbeiter beteiligen sich reichsweit am Generalstreik der Gewerkschaften.
• 17. 3.
Kapp gibt seinen Rücktritt als Reichskanzler bekannt. Im April reist er ungehindert mit einem Flugzeug nach Schweden. Lüttwitz begibt sich zunächst unbehelligt nach Sachsen, um anschließend nach Ungarn auszureisen. Nach seiner Rückkehr in das Deutsche Reich 1923 sieht die Regierung von einer Anklageerhebung ab.
• Als Bedingung für die Beendigung des Generalstreiks fordern die Gewerkschaften u.a. den Rücktritt von Reichswehrminister Noske.
• Einheiten der Roten Ruhrarmee besiegen das Freikorps Lichtschlag und besetzen Dortmund.
• 18. 3.
Debatte in der deutschen Nationalversammlung über die politische Lage nach dem Lüttwitz-Kapp-Putsch. Heftige Kritik auch aus Reihen der SPD an Noske wegen seiner militärfreundlichen Politik.
• 20. 3.
Rückkehr der Nationalversammlung von Stuttgart nach Berlin.
• In Essen erfolgt die Bildung eines Zentralrats der Arbeiterräte, die in Teilen des Ruhrgebiets die Macht übernommen haben.
• 22. 3.
USPD, KPD und der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) erklären den Generalstreik für beendet.
• Rücktritt Noskes und des regierungstreuen General Reinhardt. Neuer Reichswehrminister wird Otto Geßler (DDP), neuer Chef der Heeresleitung Seeckt.
• 23. 3.
Trotz des Aufrufs der Generalstreikleitung vom 22. März wird die Arbeit zum größten Teil nicht wieder aufgenommen. Die Reichsregierung nimmt mit Vertretern der Arbeiterräte Verhandlungen auf.
• 24. 3.
Die Reichsregierung fordert ultimativ bis zum 30. März das Ende der Aufstände im Ruhrgebiet. Das Ultimatum wird wenig später bis zum 2. April verlängert.
• 25. 3.
Rücktritt der Reichsregierung unter Gustav Bauer (SPD) sowie der preußischen Regierung.
• 26. 3.
sReichspräsident Ebert beauftragt den SPD-Politiker Hermann Müller mit der Bildung einer neuen Reichsregierung (Koalition aus Sozialdemokratischer Partei Deutschlands (SPD), Deutscher Demokratischer Partei (DDP) und Zentrum). In Preußen kommt es unter Ministerpräsident Otto Braun (SPD) ebenfalls zu einer Regierungskoalition aus SPD, DDP und Zentrum.

*z.n. DHM LEMO